Ubuntu 4.10
Am 20. Oktober 2004 betrat das allererste Ubuntu die Bühne. Im Stillen von einer Gruppe erfahrener Entwickler zusammengestellt, wurde nur wenige Wochen vorher am 15.September 2004 die Preview von Ubuntu im Internet angekündigt.
Warziges Warzenschwein
Dieses Release sollte wie ein Warzenschwein in die Linux-Welt eindringen — ohne Respekt und alles umwühlend. Es wilderte mit voller Absicht in fremden Revieren. Gleichzeitig war es voller Warzen, da die Version in großer Zeitnot entwickelt wurde und damit noch einige Unzulänglichkeiten enthielt.
Das Artwork
Rein optisch gesehen präsentierte sich das warzige Warzenschwein in einem einzigartigen Outfit. In der Welt der Betriebssysteme — nicht nur bei Windows, sondern auch bei vielen anderen Linux-Distributionen — dominiert mit großem Abstand die Farbe Blau. Ubuntu erschien in warmen Brauntönen. Dies ist schon bei der Anmeldung am System unübersehbar und erstreckt sich bis auf den Desktop des fertig gestarteten Systems.
Mit den Brauntönen sollten zwei Anliegen von Ubuntu visualisiert werden. Zum einen wollte Ubuntu seine Verbindung zu (Süd-)Afrika zum Ausdruck bringen, zum anderen sollte diese Distribution auch in seiner optischen Erscheinung ”menschlich” wirken.
Das Aussehen von Ubuntu hat sich bis heute nicht grundlegend verändert, auch wenn es inzwischen durch die Verwendung von Desktop-Effekten, veränderten Farben und neuen Programmen wesentlich moderner und freundlicher wirkt.
Eine kleine Anekdote am Rande
Zu Beginn wurde noch sehr viel Wert auf künstlerische Hintergrundbilder gelegt. Also machte man verschiedene Fotos von zwei Frauen und einem Mann. Die Modelle stammen aus kulturell verschiedenen Teilen der Welt und sollen gemeinsam für die Verbindung zwischen den verschiedenen Kulturen stehen. Die Gruppierung dieser drei Personen sollte den ”Circle of Friends” verdeutlichen, das Logo von Ubuntu.
Es gab ein Metapaket, das eine Reihe von Hintergrundbildern mit diesen Menschen installierte. Monatlich wechselnde Motive brachten etwas Abwechslung in den tristen Computeralltag. Sie finden diese Hintergrundbilder im Bereich ”Wallpaper” auf dieser Homepage.
Leider wurde bei der Gestaltung dieses zweifellos schönen Motivs vergessen, dass in vielen Ländern die Darstellung einer auch nur teilweise entblößten Frau ein absolutes Tabu ist. In der Folge des Erscheinens von “>Warty Warthog”< hagelte es deshalb entsprechende Proteste. Ubuntu galt in vielen Ländern als “>uninstallierbar”<, da sich bei der ersten Installation ein solches Motiv als Standard-Hintergrundbild präsentierte.
Als Folge dieses Protestes entschloss man sich bei Canonical, zukünftig auf diese Motive zu verzichten. Seitdem wird der ”Circle of Friends” durch angezogene Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen symbolisiert.
Aprilscherz
Auch wenn Ubuntu heute eindeutig professionelle und kommerzielle Ziele hat, startete der ”Warty Warthog” mit viel Sinn für Humor und mutigen Neuerungen. Neben den etwas verrückten Namen und dem streitbaren Design überraschte Ubuntu am 1. April 2005 seine Benutzer mit einem kleinen Aprilscherz.
Statt des nüchternen Anmeldebildschirms wurde man von drei Männern begrüßt, die den ”circle of friends” darstellen sollten. Einer dieser Herren war Mark Shuttleworth (rechts unten). Am 2. April verschwand der Anmeldebildschirm genauso plötzlich, wie er gekommen war.
Eckdaten von Ubuntu 4.10
- Warty Warthog (Warziges Warzenschwein), Erscheinungsdatum 20.10.2004
- Kernel 2.6.9 und GNOME 2.8
- Unterstützung bis April 2006
Problematisch waren die divergierenden Architekturen und die damit einhergehenden unterschiedlichen Hardware-Erkennungen der Live- und der Installations-CD. Beide CDs waren zu Beginn noch getrennt und man konnte das System nicht von der Live-CD installieren. Folglich konnten einige Benutzer, bei denen die Live-CD problemlos startete, Ubuntu mit der Installations-CD nicht installieren.
