Ubuntu 5.04
Am 08. April 2005 folgte der zweite Streich, das Warzenschwein bekam einen legitimen Nachfolger — den altersgrauen Igel. Nachdem die erste Version eine Menge Staub aufgewirbelt hatte, präsentierte sich die zweite Version deutlich gereifter. Ubuntu hatte sich bereits in seiner kurzen Geschichte einen Namen gemacht und ein stacheliges Fell zugelegt. Man konnte nun einen Gang zurückschalten und sich ganz auf die Weiterentwicklung dieser Distribution konzentrieren.
Bei der Entwicklung der neuen Version von Ubuntu ”Hoary Hedgehog” stand eher eine Evolution als eine Revolution an. Nach der äußerst erfolgreichen Premiere des ”Warty Warthog” musste das Rad nicht neu erfunden werden. Der Fokus lag auf Detaillösungen und Bugfixes. Neue und offensichtliche Funktionen gab es eher wenige. Trotzdem wurde unter der Oberfläche eine Menge gewerkelt. Am meisten Arbeit steckte wahrscheinlich in der nochmals verbesserten Hardware-Erkennung, vor allem im Aufbau der Live-CD, die bei der ersten Version von Ubuntu noch viel Kritik einstecken musste.
Die gravierendste Neuerung bei ”Hoary Hedgehog” war sicherlich der Wechsel des X-Servers von Xfree auf X.org. Eine andere ”Kleinigkeit” war die Kreation von Kubuntu, einer Ubuntu-Version mit KDE als Standard-Desktop (statt GNOME).
Die erste Version von Kubuntu
Ubuntu war im Oktober 2004 nur mit der Desktop-Umgebung von GNOME an den Start gegangen. Während GNOME in den USA und anderen Ländern sehr erfolgreich und beliebt ist, ist in Europa und speziell in Deutschland die alternative Desktop-Umgebung mit dem Namen KDE (K Desktop Environment) beliebter als GNOME.
Ubuntu stand von Beginn an Menschen und Ideen offen gegenüber, die das System modifizieren und damit an ihre Bedürfnisse anpassen möchten. Genau das haben Anfang 2005 ein paar Freiwillige gemacht und mit der Unterstützung von Canonical ein Ubuntu mit KDE entwickelt, ein sogenanntes ”Kubuntu”.
Canonical hatte für dieses Projekt einen zusätzlichen Entwickler eingestellt, der sich ausschließlich um KDE kümmerte und im Folgenden dann auch für Ubuntu engagierte. Kubuntu war zu dieser Zeit lediglich ein optionales Ubuntu, das Canonical zwar förderte, indem es dieses Projekt auf den eigenen Servern bereitstellte und somit einige Teile der Infrastruktur dafür öffnete. Ein offizielles Ubuntu-Derivat war es zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Dies sollte sich 2006 mit der Veröffentlichung von ”Dapper Drake” ändern. Auch die Anzahl der Entwickler hat sich im späteren Verlauf deutlich erhöht.
Das Artwork
Im Erscheinungsbild präsentierte sich der Igel frischer und lebendiger als sein Vorgänger. Man merkt an allen Stellen des Systems, dass bei dieser Version sehr viel mehr Wert auf Details gelegt wurde. Der GNOME Display Manager (kurz GDM) präsentiert sich schlichter als bei Warty.
Nach dem Anmelden sehen Sie das Laden aller nötigen Programme animiert in einem schmalen Splash-Screen, bevor der neue Desktop Sie begrüßt.
Eckdaten von Ubuntu 5.04
- Hoary Hedgehog (Altersgrauer Igel), Erscheinungsdatum 08.04.2005
- Kernel 2.6.10 und GNOME 2.10
- Unterstützung bis Oktober 2006
Ubuntu 5.04 enthält im Gegensatz zu Warty den X-Server von X.org. X.org hat einige gewichtige Vorteile gegenüber dem älteren Xfree86. So werden wesentlich mehr Grafikkarten verschiedener Hersteller unterstützt. Eine verbesserte automatische Erkennung nimmt Ihnen bei der Installation eine Menge Arbeit ab und erlaubt eine fast vollständige Erkennung und Einbindung der Karte in Ihr System.
”Hoary Hedgehog” beinhaltete zwei ganz neue Pakete, die auf dem Paketverwaltungsprogramm Synaptic aufbauen und Ihnen dabei helfen, den Computer immer ohne explizite Anstrengungen auf dem neuesten Stand zu halten. Diese neuen Pakete sind der update-manager und der upgrade-notifier.
Neuerungen
Der altersgraue Igel bietet nun erstmals
- eine integrierte Dokumentation,
- den Ubuntu FAQ Guide (Frequently Asked Questions, häufig gestellte Fragen) und
- den Ubuntu Quick Guide (Schnellstart-Dokumentation)
an. Mit der Einführung dieser Dokumente hat sich Ubuntu ein weiteres Ziel gesetzt: Ubuntu soll die am besten dokumentierte Distribution werden. Der Ubuntu FAQ Guide hat das Ziel, besonders häufig gestellte Fragen der Benutzer zu beantworten. Der Ubuntu Quick Guide ist eine Einführung in den Ubuntu-Desktop, der die GNOME-Desktop-Umgebung und die vorhandenen Funktionen und Programme erklärt.
Erleichterungen bei der Installation
Ubuntu hat in seiner neuen Version nun einen vereinheitlichen Hardware-Erkennungsprozess. Die Live-CD, der Installationsprozess und das installierte System nutzen alle hotplug. Wenn die Live-CD Ihre Hardware korrekt erkennt und konfiguriert, wird es der Installationsprozess bei einer ”richtigen” Installation auch tun. Die Live-CD kann fortan dazu benutzt werden, um die Kompatibilität vor der Installation von Ubuntu zu testen.
Canonical bietet nun auch ein Image für die Installation von DVD an. Das Installations-Image für DVDs enthält alle unterstützten Pakete aus dem Main-Repository. Dies ist von Vorteil, wenn Sie eine langsamere Internetverbindung als DSL haben. So müssen Sie z. B. bei einer Installation mithilfe dieser DVD keine weiteren Sprachpakete separat herunterladen, um ein komplett deutsches System zu erhalten.